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Das PSA (Prostata spezifisches Antigen)

Das PSA (Prostata spezifisches Antigen) gilt als Tumormarker für das Prostatakarzinom. Es handelt sich um einen Eiweiß-Zucker Stoff, der in der Prostata gebildet wird und in größeren Mengen mit der Samenflüssigkeit ausgeschieden wird. Die Aufgabe von PSA ist die Verflüssigung der Samenflüssigkeit. PSA kommt auch in Spuren im Blut vor, teilweise an Eiweiß gebunden, teilweise in freier, nicht eiweißgebundener Form. Die Konzentration von PSA im Blutserum liegt normalerweise unter 4 ng/ml. Wenn der PSA-Wert zwischen 4 ng/ml und 10 ng/ml erhöht ist, kann das Verhältnis von freiem PSA zu Gesamt-PSA zur Unterscheidung von „gutartiger“ und bösartiger“ PSA-Erhöhung beitragen. Allerdings muss ein erhöhter PSA-Wert nicht zwangsweise die Diagnose Prostatakrebs bedeuten. Ein höherer PSA-Wert kann auch durch andere Ursachen bedingt sein (überdurchschnittliche Prostatagröße, Prostataentzündung, fortgeschrittenes Alter des Patienten).

Der PSA-Test wurde früher in der Nachsorge bei Prostatakrebserkrankungen eingesetzt. Heute wird der PSA-Test zunehmend bei der Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs eingesetzt, da von uns Urologen die alleinige Erhebung der Fingertastbefundes für unzureichend angesehen wird. Die Entdeckungsrate für Prostatakrebs mit Hilfe der alleinigen Fingertastuntersuchung beträgt ca. 50 – 60 %. Unter Einbeziehung des PSA-Werts gelingt es 70 - 80 % der Krebsherde in der Prostata im Frühstadium zu entdecken. Bei verhärteter Prostata, Erhöhung des PSA-Werts sowie bei verdächtigem Ultraschallbefund wird eine Gewebsentnahme aus der Prostata zur Sicherung der Diagnose durchgeführt. Wir weisen darauf hin, dass bei einem Drittel der biopsierten Patienten Prostatakrebs diagnostiziert wird. Der Diagnosezeitpunkt wird damit um 5 bis 10 Jahre vorverlegt. Die Erkennungsrate organbegrenzter Tumoren steigt. Im lokal begrenzten Stadium von Prostatakrebs ist durch Operation oder Bestrahlung eine langfristige Heilung in 80 % möglich. Trotz früher Erkennung bestehen bei 20 % der Patienten bereits Mikrometastasen, so dass eine Heilung leider nicht mehr möglich ist. Über 11.000 Männer sterben jedes Jahr in Deutschland am Prostatakrebs. Durch die routinemäßige Bestimmung des PSA-Werts in Nordamerika zeichnet sich ein Rückgang der Sterblichkeit am Prostatakrebs ab.

In wissenschaftlichen Arbeiten wurde allerdings auch erkannt, dass Prostatakrebs nicht zwangsläufig zum Tode führen muss. 80 – 90 % der 90-Jährigen haben Prostatakrebs, wissen es nicht und sterben an einer anderen Todesursache. Das heißt, dass es verschiedene Arten von Prostatakrebs gibt. Die eine Art ist behandlungsbedürftig und würde ohne Behandlung in kurzer Zeit zum Tode führen. Die andere Art ist zum Zeitpunkt der Diagnosestellung nicht behandlungsbedürftig, mit ihr könnte man noch jahrelang problemlos leben. Dieser Prostatakrebs würde unter Umständen zu Lebzeiten des Patienten nie erkannt werden. Die Anzahl der harmlosen Prostatakarzinome lässt sich zur Zeit nicht genau ermitteln. Man rechnet ungefähr mit einem Anteil von 30 %. Leider kann auch zum Zeitpunkt der Diagnosestellung nicht mit Sicherheit unterschieden werden, ob nun ein harmloser Prostatakrebs vorliegt, oder ob es sich um einen behandlungsbedürftigen Prostatakrebs handelt. Im Zweifelsfall würden wir Urologen natürlich auf Nummer sicher gehen und dem Patienten raten die Prostata entfernen zu lassen oder sich bestrahlen zu lassen. Dies hat natürlich zur Folge, dass eventuell bis zu 30 % der Patienten durch Operation oder Bestrahlung überbehandelt werden können. Die Behandlung ist wie jeder Eingriff mit Risiken verbunden. Typische Risiken sind Harninkontinenz (unfreiwilliger Urinabgang 5-15%) und Impotenz. Diesem Problem steht natürlich entgegen, dass ungefähr 11.000 Männer in Deutschland pro Jahr am Prostatakrebs qualvoll sterben. Hätten diese 11.000 Männer die Chance gehabt den Prostatakrebs in einem noch heilbaren Stadium erkannt zu bekommen, hätte wohl keiner die Prostatakrebsfrüherkennung unter Einbeziehung des PSA-Werts ausgeschlagen, „nur“ weil dabei ein ca. 20 – 30 %-iges Risiko der Überbehandlung durch Operation oder Bestrahlung besteht.

Lieber Patient, Sie sehen anhand der Ausführungen, dass man die Vorteile und die Nachteile der Vorsorgeuntersuchung mit Einbeziehung des PSA-Tests genau abwägen muss. In Europa und in den USA wurden über Jahre großangelegte Studien durchgeführt, die sich mit dem Thema beschäftigten, ob mit Hilfe des PSA-Tests die Sterblichkeit am Prostatakrebs gesenkt werden kann. Endgültige, gesicherte Studienergebnisse mit eindeutigen Aussagen gibt es allerdings immer noch nicht. Nach unserer Ansicht und nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (unserem Wissenschaftsverband) sollte auch trotz Fehlens von eindeutigen Studienergebnissen der PSA-Test keinem Patienten vorenthalten werden. Jeder Patient ist allerdings vor der Blutabnahme über die Vorteile und Nachteile der PSA-Bestimmung im Rahmen der Prostatakrebsvorsorge aufzuklären – was hiermit erfolgte. Jeder Patient sollte dann eigenverantwortlich entscheiden, ob er den PSA-Test im Rahmen der Vorsorge wünscht oder nicht.

Für weitere Informationen über die Früherkennung des Prostatakarzinoms verweisen wir auch auf die Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms (Internet: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/043-022.pdf)

Bitte scheuen Sie sich nicht mit uns eventuelle zusätzliche Fragen zu besprechen. Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

Ihr urologisches Praxisteam
Dr. Spahlinger & Schickerling